anna grimm

Verlorene Seelen, die Straße nach Nirgendwo, im Auge des Sturms - Tabula Rasa: ein Roadtrip in die Hölle

Umzug nach Berlin und alte Schuhe
Aktuelles Stadtkind

Umzug nach Berlin und alte Schuhe

Es ist soweit – mein Umzug nach Berlin rückt in den Fokus. Während in den verbleibenden vier Wochen bis zum Tag X noch furchtbar viele Kleinigkeiten zu erledigen sind, merke ich, wie umfangreich die gesammelten Schätze aus Erinnerungsstücken, Mitbringseln, Geschenke, Familienerbstücke, Gadgets, Gamingzeug und sonstiges Sammelsurium sind. Selbst ein großer Teil der Bücher muss zurückbleiben. Und eine Menge alter Schuhe.

Ein Blick auf die ersten gepackten Kisten. Kopfschütteln. Seufzer. Nein, das wird erstmal nicht mit uns kommen. Die Wohnkrise in Berlin will uns zu neuem Minimalismus erziehen, wie es aussieht. Unser Leben muss fürs Erste in bereits gut ausgestattete fünfundfünfzig Quadratmeter passen. Nichts darf doppelt vorhanden sein. Und davon ist am besten nichts weniger als zwingend notwendig. Also mache ich damit weiter, alles Entbehrliche zusammen zu karren  und zu verpacken. Dieser Berg wird in einem Lagerraum verwahrt und ist damit eine ganze Weile lang raus aus unserem Leben.

Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar.

Friedrich Schiller (1759-1805), deutscher Dichter

Traurig macht mich der Abschied von unserem Kram ehrlich gesagt nicht. Ich sehe die Veränderung und das Ausmisten als neugewonnen Raum. Raum für was? Tja, das wird sich erst noch zeigen.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Hermann Hesse (1877-1962), deutsch-schweizerischer Dichter

    Autorin
    Autorin Autorin Horror, Fantasy, Phantastik

    Stadtkind, Bahn Nomadin, Autorin von Kurzgeschichten, Bloggerin

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    Leseschnipsel aus einem aktuellen Text

    Verborgen in einem Dunkelzauber beobachtete Yesenia die drei voraneilenden Wanderer. Der Vierte war ein Stück zurückgefallen. Von den singenden Dünen der Zeitenwüste hypnotisiert sprang er von der Lichtbahn. Er riss sich die Jacke aus schwarz, weiß und rot eingefärbtem Leder vom Leib und watete durch Zeitensand. Narr!

    Yesenia formte mit den Fingern der Linken ein Windzeichen und wirkte seine Magie, um den Menschen zu warnen. Zwecklos bei einem Unwissenden. Er nahm ihr Zeichen nicht einmal vage wahr. Schon drifteten die Nebelwirbel aus der fernen Dämmerung heran und umschlossen ihn. Die Gestalt des jungen Mannes verwirbelte mit den Krallenfingern aus weißen Schwaden. Sein überraschter Aufschrei durchdrang Yesenias Dunkelwolke erst, als er schon nicht mehr zu sehen war. Für immer im Nichts der Nebelfresser aufgegangen. Yesenia glaubte einen Hauch der Kälte dieses Nichts im Nacken zu verspüren und erschauderte mit einem Zittern. Konnte es einen endgültigeren, grausameren Tod geben?

    Die Aufmerksamkeit der Sucherin kehrte zu den drei verbliebenen Wanderern zurück. Eine junge Frau und der schmächtige aber hochgeschossene Junge - sie wirkten wie ein Geschwisterpaar. Hellhaarig und rosig erinnerten die beiden Erdenkinder an die umherziehenden Kommunen der Sassari auf Yesenias Heimatwelt. Den Dritten - in der Gestalt der Katze unterwegs - erkannte sie jedoch.

    Es war Isam - der Verbannte von Astari. So nannte man ihn in Yesenias Heimat. In anderen Welten verachtete man ihn als Dieb, Rächer, den Besiegten. Seit die Schule der Magy Isam verstoßen hatte, wanderte dieser mit dem Zeitenwind. Er hatte auf seinem Weg mehr Feinde als Freunde gesammelt. Es war ein Wunder, dass der Sand noch durch das Stundenglas seines Lebens rieselte. Seit Isam dem Herrn der Zeitenwinde im Kampf erlegen war, hatte man ihn im Kreis der Magy für tot gehalten.

    Yesenia lächelte, als sie dem schwarzen Kater nachsah. »Totgesagte leben länger, mein Freund. Hüte dich vor den Winden.«

    Mit Zeige- und Mittelfinger malte sie ein Symbol in die Luft. Isam hob den Kopf. Er spitzte die Ohren und lauschte dem Luftzug, den sie ihm mit dem Zeichen geschickt hatte. Seine Schnurrhaare erzitterten. Ein Fauchen entwich ihm. Geduckt schlich er weiter auf einen Kreuzungspunkt mehrer Lichtbahnen zu. Das Tor wirkte wirkte wie ein rotleuchtender Stern über den Dünen. Isam hatte die Botschaft vernommen. Aber die Warnung hielt ihn nicht von seinem Vorhaben ab.

    Warum waren diese Menschen bei ihm? Selbst die kleinsten Zeichen kannten sie offenbar nicht. Er hätte ebenso gut Analphabeten durch eine Bibliothek führen können.

    Der Kater machte einen Satz und fiel durch den Kreuzungspunkt hindurch. Sein Ziel kannte Yesinia bereits: Eine Weltenscherbe. Ihr abtrünniger Freund würde den Herrn der Zeitenwinde also erneut herausfordern, obwohl sich Unwissende in seiner Gesellschaft befanden.

    Yesenia seufzte traurig. Sie hatte es befürchtet. Mit jeder Rückkehr aus dem Verborgenen wurde Isam getriebener und rücksichtsloser. Nichts vermochte Isam je aufzuhalten.

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