anna grimm

Verlorene Seelen, die Straße nach Nirgendwo, im Auge des Sturms - Tabula Rasa: ein Roadtrip in die Hölle

Verzauberte Uhr
Schreiben

Tick tock – der Uhrmacher kommt!

Ja, das Ticken eines Zeitfressers begleitet diesen Nachmittag, an dem ansonsten nur der Tee im Häferl dampft und mein Klacken an der Tastatur die da draußen stört. Da ich das hübsche Stück gerade ticken höre – Hier ist sie ja, die Taschenuhr! Vollständig aufgezogen und poliert habe ich sie gewohnheitsmäßig in einer verstaubten Schublade verschwinden lassen … Man hört sie übgrigens auch dort ticken.

Tick tock erinnert mich meist an eine Geschichte, die ich im kanadischen Phantastikmagazin „Speculative Fiction“ in der Ausgabe von Juni 2012 veröffentlichen durfte. „Clockmaker’s Dream“ war der Titel meiner Erstlingsveröffentlichung und sie wurde im Speculative Fiction Magazin „Seperate Worlds“ gedruckt. Da ich die Geschichte in Englisch verfassen musste, war mir der Redakteur des Magazins, Colin Neilson, eine große Hilfe dabei, dieses kleine Abenteuer mit dem britschem Akzent einer Österreicherin für Leser in ein astreines Amerikanisch zu verpacken und es in eine nette Form zu bringen. An diese erste Erfahrung in der ambitionierten Schreibwelt denke ich gern zurück, wenngleich die Geschichte mich immer wieder an den Schrecken der Zeit erinnert: Die Uhr tickt. Aus diesem Grund habe ich beschlossen die Geschichte des Uhrmachers in die deutsche Sprache zu übersetzen und mein Autorenblog ins Leben zu rufen.

Beendet ist meine Arbeit an der Kurzgeschichte „Der Traum eines Uhrmachers“ allerdings noch nicht, denn ich möchte sie gerne in Buchform bringen. Mein Interesse gilt Kleinverlagen, die regelmäßig Anthologien herausbringen und in den Genres von Horror, Fantasy und Dark Fantasy vertreten sind. Der Uhrmacher hat jedenfalls gut lachen. Die Zeit läuft für mich und mein Buch. … tick tock tick.

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    Autorin
    Autorin Autorin Horror, Fantasy, Phantastik

    Stadtkind, Bahn Nomadin, Autorin von Kurzgeschichten, Bloggerin

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    Leseschnipsel aus einem aktuellen Text

    Verborgen in einem Dunkelzauber beobachtete Yesenia die drei voraneilenden Wanderer. Der Vierte war ein Stück zurückgefallen. Von den singenden Dünen der Zeitenwüste hypnotisiert sprang er von der Lichtbahn. Er riss sich die Jacke aus schwarz, weiß und rot eingefärbtem Leder vom Leib und watete durch Zeitensand. Narr!

    Yesenia formte mit den Fingern der Linken ein Windzeichen und wirkte seine Magie, um den Menschen zu warnen. Zwecklos bei einem Unwissenden. Er nahm ihr Zeichen nicht einmal vage wahr. Schon drifteten die Nebelwirbel aus der fernen Dämmerung heran und umschlossen ihn. Die Gestalt des jungen Mannes verwirbelte mit den Krallenfingern aus weißen Schwaden. Sein überraschter Aufschrei durchdrang Yesenias Dunkelwolke erst, als er schon nicht mehr zu sehen war. Für immer im Nichts der Nebelfresser aufgegangen. Yesenia glaubte einen Hauch der Kälte dieses Nichts im Nacken zu verspüren und erschauderte mit einem Zittern. Konnte es einen endgültigeren, grausameren Tod geben?

    Die Aufmerksamkeit der Sucherin kehrte zu den drei verbliebenen Wanderern zurück. Eine junge Frau und der schmächtige aber hochgeschossene Junge - sie wirkten wie ein Geschwisterpaar. Hellhaarig und rosig erinnerten die beiden Erdenkinder an die umherziehenden Kommunen der Sassari auf Yesenias Heimatwelt. Den Dritten - in der Gestalt der Katze unterwegs - erkannte sie jedoch.

    Es war Isam - der Verbannte von Astari. So nannte man ihn in Yesenias Heimat. In anderen Welten verachtete man ihn als Dieb, Rächer, den Besiegten. Seit die Schule der Magy Isam verstoßen hatte, wanderte dieser mit dem Zeitenwind. Er hatte auf seinem Weg mehr Feinde als Freunde gesammelt. Es war ein Wunder, dass der Sand noch durch das Stundenglas seines Lebens rieselte. Seit Isam dem Herrn der Zeitenwinde im Kampf erlegen war, hatte man ihn im Kreis der Magy für tot gehalten.

    Yesenia lächelte, als sie dem schwarzen Kater nachsah. »Totgesagte leben länger, mein Freund. Hüte dich vor den Winden.«

    Mit Zeige- und Mittelfinger malte sie ein Symbol in die Luft. Isam hob den Kopf. Er spitzte die Ohren und lauschte dem Luftzug, den sie ihm mit dem Zeichen geschickt hatte. Seine Schnurrhaare erzitterten. Ein Fauchen entwich ihm. Geduckt schlich er weiter auf einen Kreuzungspunkt mehrer Lichtbahnen zu. Das Tor wirkte wirkte wie ein rotleuchtender Stern über den Dünen. Isam hatte die Botschaft vernommen. Aber die Warnung hielt ihn nicht von seinem Vorhaben ab.

    Warum waren diese Menschen bei ihm? Selbst die kleinsten Zeichen kannten sie offenbar nicht. Er hätte ebenso gut Analphabeten durch eine Bibliothek führen können.

    Der Kater machte einen Satz und fiel durch den Kreuzungspunkt hindurch. Sein Ziel kannte Yesinia bereits: Eine Weltenscherbe. Ihr abtrünniger Freund würde den Herrn der Zeitenwinde also erneut herausfordern, obwohl sich Unwissende in seiner Gesellschaft befanden.

    Yesenia seufzte traurig. Sie hatte es befürchtet. Mit jeder Rückkehr aus dem Verborgenen wurde Isam getriebener und rücksichtsloser. Nichts vermochte Isam je aufzuhalten.

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