anna grimm

Im Labyrinth der Welten öffnen sich die Türen

Echoraum Schreiben

Kurzgeschichten und Knochen

Knochen. Unsere Gebeine erzählen Geschichten. Sie tragen Zeichen, Narben. Sind heil, angeknackst oder zertrümmert. Knochen erzählen uns vom Leben und vom Tod ihrer Besitzer. Wie bei jeder Geschichte muss die Erzählerin erst tief nach ihnen graben. Keine Furcht vor Dunkelheit, Moder, Gräbern. Knochen wollen gefunden werden und Kurzgeschichten auch.

Mit diesem Hoffnungsschimmer nahm ich vor einigen Jahren eine Einladung ins Nachbarland an. Zeit meine Freunde in Prag wieder mal zu besuchen. Jitka und Michael erwarteten mich mit einer Überraschung, die ganz nach meinem Geschmack war. Ein Ausflug mit dem Zug. Der Besuch der Knochenkirche im tschechischen Kudna Hora wird mir ebenso in Erinnerung bleiben wie ihre Geschichte. Während meine Freunde Jitka und Michael mich flüsternd in den Mythos des Ortes und das Geheimnis der Knochen einweihten, wählte ich das Motiv für mein erstes eBook Cover. Die Eindrücke dieses Tages liegen tief in meiner Kurzgeschichte „Tabula Rasa“ vergraben.

    Autorin
    Autorin Autorin Horror, Fantasy, Phantastik

    Stadtkind, Bahn Nomadin, Autorin von Kurzgeschichten, Bloggerin

    Instagram
    Die Antwort von Instagram enthielt ungültige Daten.

    Folge mir!

    Leseprobe aus Tabula Rasa

    Das Telefon klingelte.

    Abwartend starrte Jake den Apparat an. Er schob die Kopfhörher zurecht.

    Das Telefon klingelte weiter.

    Er ließ die Füße vom Pult plumpsen und nahm den Anruf per Knopfdruck entgegen. Onkel Dewy?, sprach er in das kleine Stehmikrofon.

    Jemand atmete lang und geräuschvoll aus und ein. Eiswürfel klirrten in einem Glas. Flüssigkeit schlenkerte gurgelnd darin. Schlagartig erinnerte Jake sich, dass es eine Grußformel gab, an die er sich halten sollte. Wie ging der Spruch nochmal? Er konnte sich einfach nicht mehr daran erinnern. Es war wie weggeätzt.

    H-Hallo?, stammelte Jake.

    Am anderen Ende der Leitung erklang ein Lachen, das bald darauf in einem Hustenanfall erstickte.

    Jake überlegte aufzulegen. Tut mir leid, ich kann sie nicht verstehen.

    Jacob Hauser, richtig?

    Der unvermutete Bariton ließ Jake zusammenfahren. Vielleicht einer der Techniker im Radiosender. Oder gar der Boss?

    Ja, antwortete er hastig. Und setzte Sir hinzu.

    Der Baritonmann schüttelte die Eiswürfel in seinem Glas. Er beendete den Schluck mit einem Ahhh. Danach gewann sein Lach an Geschmeidigkeit. Alles nur Show? Was für ein Spinner!

    Jacob Hauser, es freut mich, dass wir uns sprechen.

    Hallo. Ich glaube, wir kennen uns nicht.

    Oh, wir lernen einander gerade kennen, Jacob, fuhr der Bariton fort. Ich möchte dich etwas fragen. Du begegnest einem Mann, der ein Rätsel ist. Ein unbeschriebenes Blatt. Von dem Moment an wird er jedoch zu einer Geschichte. Deine Geschichte. Wie soll die Sache für dich ausgehen?

    Mehr über Cookies erfahren